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Elektroniker abwerben? So gewinnen Sie wechselbereite Fachkräfte fair
Die meisten guten Elektroniker sind fest angestellt. So sprechen Sie wechselbereite Kandidaten respektvoll und erfolgreich an.
Fast jede Einstellung im Elektrohandwerk ist heute ein Wechsel aus einem anderen Betrieb. „Abwerben“ klingt dabei nach unfairen Methoden – dabei geht es meist um etwas ganz Normales: Fachkräften, die ohnehin unzufrieden sind, ein besseres Angebot sichtbar zu machen. Dieser Beitrag zeigt, wo die rechtlichen und fairen Grenzen liegen, wie Sie wechselbereite Elektroniker erkennen und ansprechen und wie Sie das Gespräch so führen, dass am Ende eine Zusage steht.
Kurzfassung
- Ansprechen ist erlaubt, unlauter wird es erst bei Täuschung, Vertragsbruch oder systematischer Behinderung eines Wettbewerbers.
- Wechselbereit ist nicht, wer aktiv sucht, sondern wer unzufrieden ist – das ist ein großer Teil der Fachkräfte.
- Das Angebot muss das konkrete Problem lösen, nicht nur „mehr Geld“ bieten.
- Den Wechsel einfach machen: Kündigungsfrist, Starttermin und Übergang aktiv mitplanen.
Wo die Grenze verläuft
Grundsätzlich dürfen Sie Mitarbeiter anderer Betriebe ansprechen und ihnen ein Angebot machen. Kritisch wird es nach der Rechtsprechung zum Wettbewerbsrecht vor allem, wenn:
- Sie zum Vertragsbruch verleiten, etwa zum Wechsel ohne Einhaltung der Kündigungsfrist,
- Sie über den bisherigen Arbeitgeber herabsetzende oder falsche Aussagen machen,
- Sie gezielt das Know-how oder Kundendaten des Wettbewerbers mitnehmen lassen,
- Sie Mitarbeiter wiederholt und aufdringlich am Arbeitsplatz anrufen.
Eine kurze, sachliche Kontaktaufnahme und Werbung im Feed sind unproblematisch. Bei Unsicherheit im Einzelfall: Rechtsberatung einholen. Fair heißt außerdem: Kein Kunden-„Mitnehmen“ und kein Schlechtreden – das fällt in der Region irgendwann auf Sie zurück.
Wer ist wechselbereit?
Typische Auslöser, die Elektroniker offen für einen Wechsel machen:
- Neuer Chef oder Betriebsübergabe an den Junior
- Mehr Montage oder längere Fahrtwege nach einem Großauftrag
- Bereitschaft wird ausgeweitet
- Lohnrunde fällt aus oder ist gering
- Weiterbildung (Meister, Techniker) wird abgelehnt
- Lebensereignisse: Kind, Hausbau, Umzug – plötzlich zählen Arbeitszeit und Nähe
Diese Menschen suchen nicht aktiv. Aber wenn ein passendes Angebot in ihrem Feed auftaucht, das genau ihr Problem anspricht, klicken sie.
Die Ansprache: Problem vor Benefit
Die wirksamste Ansprache benennt den Schmerzpunkt, nicht den Arbeitgeber. Beispiele für Werbetexte:
- „Elektroniker in [Region]: Jeden Abend zu Hause statt Montage.“
- „Bereitschaft nur jedes sechste Wochenende – und fair bezahlt.“
- „Meister machen? Wir zahlen den Kurs und stellen dich frei.“
Jede Botschaft spricht eine andere Gruppe an. Testen Sie mehrere parallel und sehen Sie, welche die meisten qualifizierten Bewerbungen bringt.
Das Angebot: besser, nicht nur teurer
Ein reines Lohnangebot lockt Kandidaten, die beim nächsten Angebot wieder gehen. Stabiler sind Wechsel, bei denen Sie das eigentliche Problem lösen. Klären Sie deshalb im ersten Telefonat: „Was müsste anders sein als heute?“ Und bauen Sie das Angebot darauf auf. Typische Pakete:
- Familien-Paket: Feste Zeiten, Einsatzradius 30 km, Freitag ab Mittag.
- Karriere-Paket: Meister- oder Technikerförderung, Projektleitung nach Plan, Lohnstufe.
- Technik-Paket: PV, Speicher, KNX, eigener Fachbereich.
Den Wechsel einfach machen
Viele Wechsel scheitern nicht am Angebot, sondern an der Angst vor dem Schritt. Helfen Sie aktiv:
- Kündigungsfrist klären und Starttermin daran ausrichten – nicht drängeln.
- Schriftliches Angebot innerhalb von 48 Stunden nach dem Gespräch.
- Probearbeitstag anbieten, an einem freien Tag, bezahlt.
- Kontakt halten während der Kündigungsfrist: Team kennenlernen, Arbeitskleidung, Einarbeitungsplan.
- Gegenangebot einplanen: Viele Arbeitgeber reagieren mit mehr Lohn. Sprechen Sie das offen an: „Was machst du, wenn dein Chef dir mehr bietet?“
Häufige Fehler
- Druck aufbauen („Wir brauchen dich ab nächster Woche“).
- Versprechen machen, die nicht gehalten werden – der Wechsel endet dann in der Probezeit.
- Den Kandidaten nach dem Gespräch zwei Wochen warten lassen.
- Über den alten Arbeitgeber herziehen.
Häufige Fragen
Darf ich Mitarbeiter eines Wettbewerbers per WhatsApp anschreiben?
Eine einmalige, sachliche Nachricht ist in der Regel unkritisch, wenn die Nummer legal bekannt ist. Wiederholte Anrufe am Arbeitsplatz sollten Sie vermeiden.
Was, wenn der Kandidat ein Wettbewerbsverbot hat?
Nachvertragliche Wettbewerbsverbote sind nur mit Karenzentschädigung wirksam und im Handwerk selten. Lassen Sie den Vertrag im Zweifel prüfen.
Prüfen Sie mit dem Arbeitgeber-Attraktivitäts-Check, wie überzeugend Ihr Angebot heute ist.
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